Reiseführer · CampingSpirit
3.900 Kilometer Americana: Leuchtreklamen, Kornspeicher und Wüstenpisten – in drei Wochen quer über den Kontinent bis zum Pazifik.
Der Spirit der Route
Die Route 66 ist keine Straße, sie ist ein Flickenteppich. Mal rollen Sie auf originalem Betonband, dessen Dehnfugen im Takt unter den Reifen klopfen, mal verschwindet die alte Trasse unter der Interstate und taucht zwei Ausfahrten später als Frontage Road wieder auf. Aus der Schiebetür sehen Sie Maisfelder in Illinois, rote Erde in Oklahoma und Windräder über dem Texas Panhandle, in New Mexico Tafelberge und Pueblo-Dörfer, in Arizona Ponderosa-Wälder und am Ende die Mojave mit ihren Joshua Trees. Dazwischen stehen verrostete Tankstellen, Motels mit Neonlicht und Diner, in denen der Kaffee nachgeschenkt wird, ohne dass Sie fragen. Wer diese Route fährt, fährt langsam, hält oft und hört zu: den Menschen in Seligman, Tucumcari und Galena, die die Mother Road am Leben halten.
Detaillierter Etappenplan (Tag für Tag)
1Etappe 1: Chicago nach Springfield, Illinois (ca. 320 km)
- Die Strecke
- Vom „Begin Route 66“-Schild in der Adams Street nahe dem Art Institute durch die Vororte nach Joliet, dann parallel zur I-55 auf schnurgeraden Landstraßen durch Maisfelder. Flach und einfach – der Stadtverkehr zu Beginn ist der schwierigste Teil.
- Highlights & Must-Sees
- Der Gemini Giant in Wilmington, eine Fiberglasfigur mit Raumfahrerhelm aus den 1960er-Jahren.
- Die restaurierte Standard-Oil-Tankstelle in Odell und die Route 66 Hall of Fame & Museum in Pontiac.
- Das Lincoln Home in Springfield, eine historische Stätte des National Park Service.
- CampingSpirit Übernachtungstipp
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Offizieller Camping-/Wohnmobilstellplatz: Kankakee River State Park bei Bourbonnais, etwa 20 Minuten abseits der Route, am Fluss unter Laubbäumen: Plätze mit Strom, Sanitär mit Duschen, Dump Station.
Freisteh- / Natur-Tipp (sofern legal): In Illinois gibt es kaum öffentliche Flächen zum Freistehen. Viele Supermärkte außerhalb der Großstädte dulden eine Nacht auf dem Parkplatz – vorher im Markt fragen.
- Insider-Tipp für Camper
- Einige Schnellstraßen um Chicago (Illinois Tollway) sind mautpflichtig und bargeldlos (I-PASS/E-ZPass). Ohne Transponder die Rechnung per Kennzeichen online bei der Illinois Tollway fristgerecht bezahlen. Mit dem Wohnmobil früh morgens starten und das Zentrum meiden.
2Etappe 2: Springfield, Illinois nach Cuba, Missouri (ca. 300 km)
- Die Strecke
- Durch Kleinstädte hinunter an den Mississippi, quer durch St. Louis; dahinter beginnen die bewaldeten Ozark-Hügel mit den ersten Kurven. Etwa 4 Stunden.
- Highlights & Must-Sees
- Chain of Rocks Bridge über den Mississippi – die alte Route-66-Brücke mit dem Knick in der Mitte, heute nur für Fußgänger und Radfahrer.
- Gateway Arch in St. Louis mit der Kapsel-Fahrt nach oben.
- Cuba, die „Route 66 Mural City“ mit Wandbildern, und der riesige Schaukelstuhl in Fanning.
- CampingSpirit Übernachtungstipp
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Offizieller Camping-/Wohnmobilstellplatz: Onondaga Cave State Park bei Leasburg im Wald am Meramec River: Plätze mit Strom, Duschen und eine Tropfsteinhöhle zum Besichtigen.
Freisteh- / Natur-Tipp (sofern legal): Im Mark Twain National Forest südlich der Route ist Dispersed Camping an Forststraßen erlaubt, meist mit 14-Tage-Limit.
- Insider-Tipp für Camper
- In der Innenstadt von St. Louis sind Parkplätze für Wohnmobile rar, und viele Parkhäuser am Arch haben niedrige Höhenbegrenzungen – vorab beim Gateway Arch National Park nach Parkmöglichkeiten für große Fahrzeuge fragen und früh kommen.
3Etappe 3: Cuba, Missouri nach Tulsa (ca. 500 km)
- Die Strecke
- Durch die Ozarks nach Springfield (Missouri), dem „Geburtsort der Route 66“, über Joplin und durch den nur 13 Meilen kurzen Zipfel von Kansas nach Oklahoma. Rund 5 bis 6 Stunden plus Stopps.
- Highlights & Must-Sees
- Galena in Kansas mit dem rostigen Abschleppwagen, der als Vorbild für „Hook“ aus dem Film „Cars“ gilt.
- Die Blue Whale in Catoosa, ein Badewal aus den 1970ern an einem Teich.
- Tulsa mit der Cyrus Avery Centennial Plaza und Art-déco-Bauten im Zentrum.
- CampingSpirit Übernachtungstipp
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Offizieller Camping-/Wohnmobilstellplatz: Keystone State Park westlich von Tulsa am Stausee, mit Stromanschlüssen und Sanitär.
Freisteh- / Natur-Tipp (sofern legal): An vielen Stauseen des U.S. Army Corps of Engineers in Oklahoma gibt es sehr günstige, einfache Campgrounds; echtes Freistehen ist dort aber nicht erlaubt.
- Insider-Tipp für Camper
- Die Turnpikes in Oklahoma (auch der Will Rogers Turnpike) sind bargeldlos – ohne PikePass wird per Kennzeichen abgerechnet (PlatePay). Wer die alte 66 fährt, spart die Maut ohnehin.
4Etappe 4: Tulsa nach Oklahoma City (ca. 170 km)
- Die Strecke
- Auf einer der am besten erhaltenen Route-66-Passagen des Landes, zweispurig durch Hügel und Weiden – ein entspannter Halbtag.
- Highlights & Must-Sees
- Round Barn in Arcadia, eine runde Holzscheune von 1898.
- Die rund 20 Meter hohe Neon-Limoflasche von POPS in Arcadia.
- Oklahoma City National Memorial für die Opfer des Anschlags von 1995.
- CampingSpirit Übernachtungstipp
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Offizieller Camping-/Wohnmobilstellplatz: Lake Thunderbird State Park südöstlich von Oklahoma City: Plätze mit Strom am See, Sanitär, Dump Station.
Freisteh- / Natur-Tipp (sofern legal): In der Stadt kein legales Freistehen – nutzen Sie die günstigen State Parks oder die Stauseen.
- Insider-Tipp für Camper
- Im Frühjahr ist Tornado-Saison: eine Unwetter-App mit Warnungen des National Weather Service installieren und am Campground nach dem Schutzraum fragen.
5Etappe 5: Oklahoma City nach Amarillo (ca. 420 km)
- Die Strecke
- Weiter, flacher, windiger: Am Horizont drehen sich Windräder, die alte Trasse liegt oft direkt neben der I-40. Rund 5 Stunden.
- Highlights & Must-Sees
- Oklahoma Route 66 Museum in Clinton und National Route 66 Museum in Elk City.
- Die Art-déco-Tankstelle U-Drop Inn in Shamrock, heute ein Besucherzentrum.
- Cadillac Ranch westlich von Amarillo: zehn schräg eingegrabene Cadillacs, die Besucher mit Sprühfarbe bemalen.
- CampingSpirit Übernachtungstipp
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Offizieller Camping-/Wohnmobilstellplatz: Palo Duro Canyon State Park, etwa 40 Minuten südlich von Amarillo: Plätze mit Strom und Wasser tief unten im zweitgrößten Canyon der USA.
Freisteh- / Natur-Tipp (sofern legal): An den Rastplätzen in Texas ist eine Übernachtung meist geduldet (oft bis 24 Stunden) – Beschilderung beachten. Sicherer und ruhiger ist der State Park.
- Insider-Tipp für Camper
- Die Zufahrt in den Palo Duro Canyon ist steil und kurvig: mit langen Gespannen im niedrigen Gang hinunter. Seitenwind auf dem Hochland versetzt hohe Aufbauten stark.
6Etappe 6: Amarillo nach Albuquerque (ca. 460 km)
- Die Strecke
- Über den Llano Estacado nach New Mexico, dann durch rote Hügel und Tafelberge; hinter Santa Rosa steigt die Straße auf 2.000 m.
- Highlights & Must-Sees
- Midpoint in Adrian (Texas): genau die Hälfte zwischen Chicago und Santa Monica.
- Tucumcari mit Neon-Motels und Wandbildern – abends am schönsten.
- Blue Hole in Santa Rosa, eine glasklare, tiefe Quelle zum Baden und Tauchen.
- CampingSpirit Übernachtungstipp
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Offizieller Camping-/Wohnmobilstellplatz: Santa Rosa Lake State Park oberhalb des Stausees mit Weitblick oder Conchas Lake State Park – beide mit Stromplätzen und Sanitär.
Freisteh- / Natur-Tipp (sofern legal): Im Cibola National Forest östlich von Albuquerque ist Dispersed Camping möglich – im Sandia-Distrikt allerdings nur an ausgewiesenen Stellen in den Manzanita Mountains, in den Manzano-Bergen an Forststraßen. Feuerverbote beachten.
- Insider-Tipp für Camper
- In Albuquerque lohnt ein Abstecher auf die Central Avenue, die alte Route-66-Trasse durch die Stadt mit Neonschildern. Wasser und Vorräte auffüllen, bevor es in die dünn besiedelte Hochwüste geht.
7Etappe 7: Albuquerque nach Flagstaff (ca. 520 km)
- Die Strecke
- Durch die Hochwüste über Gallup nach Arizona – lang, aber gut in zwei Tage mit Übernachtung nahe dem Petrified Forest zu teilen.
- Highlights & Must-Sees
- Acoma Pueblo („Sky City“), einer der ältesten durchgehend bewohnten Orte Nordamerikas – Besuch nur mit Führung.
- Petrified Forest National Park mit Painted Desert; an der alten Route-66-Trasse im Park steht ein Studebaker von 1932.
- Holbrook mit dem Wigwam Motel, Winslow mit „Standin’ on the Corner“ und der Meteor Crater.
- CampingSpirit Übernachtungstipp
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Offizieller Camping-/Wohnmobilstellplatz: Fort Tuthill County Park am Südrand von Flagstaff im Kiefernwald auf 2.100 m.
Freisteh- / Natur-Tipp (sofern legal): Der Coconino National Forest um Flagstaff hat zahlreiche Forststraßen mit erlaubtem Dispersed Camping – saisonale Feuerverbote beachten.
- Insider-Tipp für Camper
- Im Petrified Forest gibt es keinen Campground für Wohnmobile, und der Park schließt abends – Übernachtung davor oder dahinter planen. Versteinertes Holz mitzunehmen ist verboten.
8Etappe 8: Flagstaff nach Kingman (ca. 240 km)
- Die Strecke
- Über Williams, die letzte Stadt, die 1984 von der Interstate umgangen wurde; ab Seligman das längste zusammenhängende Stück der alten Route 66 über Hackberry nach Kingman – weite Täler, leere Straße, Güterzüge nebenher.
- Highlights & Must-Sees
- Williams mit historischem Zentrum und der Grand Canyon Railway.
- Seligman, die Wiege der Route-66-Wiederbelebung, voller Souvenir- und Oldtimerkulissen.
- Hackberry General Store – ein Freilichtmuseum der Tankstellenära.
- CampingSpirit Übernachtungstipp
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Offizieller Camping-/Wohnmobilstellplatz: Hualapai Mountain Park südöstlich von Kingman, ein County-Park im Kiefernwald über der Wüste.
Freisteh- / Natur-Tipp (sofern legal): Im Kaibab National Forest um Williams ist Dispersed Camping erlaubt; rund um Kingman gibt es viel BLM-Land.
- Insider-Tipp für Camper
- Am nächsten Tag geht es über den Sitgreaves Pass nach Oatman: enge Kehren, keine Leitplanken, frei laufende Esel. Für lange Wohnmobile und Gespanne ist die I-40 über Topock die sichere Alternative.
9Etappe 9: Kingman nach Barstow (ca. 330 km)
- Die Strecke
- Über Oatman oder die I-40 hinunter an den Colorado River, über Needles in die Mojave-Wüste – im Sommer die heißeste Etappe der Reise.
- Highlights & Must-Sees
- Oatman, altes Goldgräberstädtchen mit Eseln auf der Hauptstraße.
- Amboy mit dem Neonschild von Roy’s Motel und dem Vulkankegel Amboy Crater.
- Calico Ghost Town nahe Barstow.
- CampingSpirit Übernachtungstipp
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Offizieller Camping-/Wohnmobilstellplatz: Calico Ghost Town Regional Park, ein County-Campground an der Geisterstadt, oder Hole-in-the-Wall Campground im Mojave National Preserve (Abstecher).
Freisteh- / Natur-Tipp (sofern legal): Große BLM-Flächen in der Mojave erlauben Dispersed Camping – nicht tief in weichen Sand fahren.
- Insider-Tipp für Camper
- Abschnitte der National Trails Highway (Route 66) zwischen Needles und Barstow waren nach Brückenschäden jahrelang gesperrt – Status beim San Bernardino County prüfen und notfalls auf die I-40 ausweichen. Im Sommer über 45 °C: nur früh morgens fahren und reichlich Wasser mitnehmen.
10Etappe 10: Barstow nach Santa Monica (ca. 210 km)
- Die Strecke
- Über den Cajon Pass hinunter ins Becken von Los Angeles, durch das Stadtgebiet über Pasadena bis ans Meer – Verkehr und Staus sind die eigentliche Herausforderung.
- Highlights & Must-Sees
- Elmer’s Bottle Tree Ranch in Oro Grande: ein Wald aus Metallbäumen mit Glasflaschen.
- Wigwam Motel in Rialto und der Colorado Boulevard in Pasadena.
- Das „End of the Trail“-Schild am Santa Monica Pier.
- CampingSpirit Übernachtungstipp
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Offizieller Camping-/Wohnmobilstellplatz: Dockweiler Beach RV Park des County Los Angeles direkt am Strand nahe dem Flughafen, mit Full Hookups. Ruhiger: Leo Carrillo State Park in Malibu.
Freisteh- / Natur-Tipp (sofern legal): In Los Angeles gibt es kein legales Freistehen; Übernachten im Fahrzeug ist in vielen Stadtteilen verboten.
- Insider-Tipp für Camper
- Die Stadtetappe am Wochenende früh morgens fahren. In Santa Monica haben viele Parkhäuser Höhenbegrenzungen – die großen offenen Strandparkplätze am Pacific Coast Highway oder am Ocean Park Boulevard sind für Wohnmobile die bessere Wahl; Beschilderung zu Fahrzeuglänge und Parkzeit beachten.
Camping-Praxis & Länder-Knigge
Wildcamping & Freistehen
- Die Route führt durch acht Bundesstaaten mit sehr unterschiedlichen Regeln. Im Mittleren Westen (Illinois, Missouri, Oklahoma) gibt es wenig öffentliches Land; Dispersed Camping vor allem im Mark Twain National Forest.
- Ab New Mexico wird es einfach: In den National Forests (Cibola, Coconino, Kaibab) und auf BLM-Land in Arizona und Kalifornien meist mit 14-Tage-Limit erlaubt.
- Übernachten auf Supermarktparkplätzen wird in Kleinstädten oft geduldet, in Großstädten und in Kalifornien selten.
- Apps: iOverlander, Campendium, The Dyrt, Allstays.
Entsorgung & Versorgung
- Dump Stations in State Parks, an großen Truck Stops und an vielen Tankstellen im Westen; Übersicht bei sanidumps.com.
- Ab New Mexico wird Wasser knapp – in jeder größeren Stadt auffüllen.
- Propan bei U-Haul-Stationen und Propanhändlern; europäische Gasflaschen werden meist nicht befüllt.
Fahrzeugmaße & Verkehrsregeln
- Tempolimits auf den Interstates je nach Staat 65–80 mph; in Kalifornien mit Anhänger maximal 55 mph.
- Maut: Illinois Tollway (bargeldlos, I-PASS/E-ZPass oder Online-Zahlung) und die Turnpikes in Oklahoma (PikePass oder Rechnung per Kennzeichen). Die alte Route 66 selbst ist mautfrei.
- Sitgreaves Pass (Oatman) mit engen Kehren – für lange Fahrzeuge nicht empfohlen.
CampingSpirit Pack- & Vorbereitungs-Checkliste
- Detaillierter Streckenführer (z. B. „EZ66 Guide for Travelers“) – ohne ihn verpassen Sie die alten Trassenstücke neben der Interstate.
- Stromadapter 30A/50A auf 15A („Dogbone“) für die unterschiedlichen Anschlüsse an State Parks und County-Campgrounds.
- Unwetter-App mit Tornado-Warnungen oder ein NOAA-Wetterradio für die Plains im Frühjahr.
- Maut-Transponder oder geklärte Kennzeichen-Abrechnung beim Vermieter für Illinois und Oklahoma.
- Sonnenschutzmatten, 12-V-Ventilator und 20–40 Liter Reservewasser für die Mojave.
- Unterlegkeile für unebene County- und Forest-Plätze.
Stand: 2026-09. Sperrungen, Gebühren und Buchungsregeln ändern sich: Prüfe vor der Abfahrt die offiziellen Quellen.